
Eigens erstellte Visualisierung: zusätzliche Dachflächen für Solarstrom nutzen. Kein Kundenprojekt.
Ein Norddach verdient einen zweiten Blick
Ja, Photovoltaik auf einem Norddach kann sinnvoll sein – besonders bei einer flachen Dachneigung und als Ergänzung einer ohnehin geplanten Anlage. Wer nur die Südseite betrachtet, lässt möglicherweise nutzbare Solarfläche ungenutzt. Entscheidend ist, wie viel zusätzlichen Strom die Nordseite liefert und was ihre Belegung zusätzlich kostet.
Unsere Empfehlung: Nordflächen bei der Planung mitprüfen. Eine gut geeignete zweite Dachseite kann das Energiekonzept für Haushalt, Elektroauto und Wärmepumpe sinnvoll ergänzen.
Mehr Solarstrom – gerade an trüben Tagen
Für den Alltag zählt nicht nur der Jahresertrag. Gerade wenn wenig Sonne zur Verfügung steht, kann zusätzliche Modulfläche helfen, mehr vom laufenden Strombedarf zu decken. Bei gleichmäßig dicht bewölktem Himmel können Nord- und Südmodule mit gleicher Neigung und freier Sicht zum Himmel ähnlich viel Leistung je kWp liefern.

Zusätzliche Nordmodule helfen bei wenig Licht
Beispielhafte Momentanleistung bei gleichmäßig bedecktem Himmel
Mehr Modulfläche. Mehr Leistung für den laufenden Bedarf.
Gleiche Leistung an einzelnen trüben Tagen bedeutet nicht gleichen Winterertrag: Himmelshelligkeit, Dachneigung und Verschattung bleiben relevant. Die Nordseite ist vor allem dann interessant, wenn sie zusätzliche nutzbare Fläche erschließt.
Fachliche Grundlage: Europäische Kommission – diffuse Einstrahlung auf geneigte Flächen
Norddach und Süddach: der Ertragsvergleich für Regensburg
Für einen fairen Vergleich haben wir das öffentliche Ertragstool PVGIS der Europäischen Kommission verwendet. Verglichen wird jeweils dieselbe installierte Leistung bei gleicher Neigung. Die Werte sind modellierte langjährige Jahreserträge, keine Messdaten einer konkreten Kundenanlage.
| Dachneigung | Süd | Nord¹ | Nord relativ zu Süd |
|---|---|---|---|
| 15° | 1.051 kWh | 796 kWh | 76 % |
| 30° | 1.105 kWh | 641 kWh | 58 % |
| 45° | 1.104 kWh | 489 kWh | 44 % |
Flaches Norddach: zusätzliche Fläche mit Potenzial
Bei 15° liefert die Nordfläche in diesem Vergleich rund drei Viertel des Südertrags. Auf 10 kWp hochgerechnet sind das ungefähr 7.960 kWh Solarstrom pro Jahr. Das ist zusätzliche Erzeugung von einer Dachfläche, die sonst ungenutzt bliebe.
Ein Beispiel: 10 kWp Süd plus 10 kWp Nord ergeben bei 15° zusammen rechnerisch rund 18.480 kWh jährlich – statt rund 10.510 kWh mit der Südseite allein. Die installierte Leistung verdoppelt sich dabei auf 20 kWp; der Ertrag steigt im Modell um etwa 76 %. Das ist kein Effizienzgewinn pro Modul, sondern der Nutzen zusätzlicher Dachfläche.
Warum die Neigung so wichtig ist
Auch ohne direkte Sonne nutzen Solarmodule diffuse Himmelsstrahlung. Je flacher die Nordfläche, desto günstiger fällt im gezeigten Vergleich ihr Jahresertrag aus. Bei steileren Norddächern wird die individuelle Prüfung wichtiger.
Die Verbraucherzentrale beschreibt flache Norddächer ausdrücklich als mögliche Ergänzung zur Süddach-Belegung. Ihr Argument: Gemeinsame Fixkosten können die zusätzlichen Module wirtschaftlich interessant machen.
Verbraucherzentrale: Ratgeber Photovoltaik, Leseprobe, Seite 35
Wann sich die zusätzliche Belegung besonders anbietet
Für die Wirtschaftlichkeit zählt der zusätzliche Nutzen gegenüber den zusätzlichen Kosten: selbst verbrauchter Strom spart Netzbezug, eingespeister Strom bringt Erlöse. Beides sollte mit dem konkreten Angebot und dem Verbrauchsprofil gerechnet werden. Mehr Jahresertrag bedeutet nicht automatisch, dass jeder zusätzliche Stromanteil selbst genutzt wird.
- Die Nordfläche ist eher flach und weitgehend frei von Schatten durch Bäume oder Nachbargebäude.
- Gerüst, Planung und Elektroarbeiten sind für die Südseite ohnehin vorgesehen. Welche Kosten tatsächlich gemeinsam genutzt werden können, zeigt das Angebot.
- Im Haushalt besteht zusätzlicher Strombedarf, etwa durch ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe. Entscheidend ist auch, wann dieser Verbrauch anfällt.
- Dachzustand, Statik und elektrische Auslegung passen zur Erweiterung.
So plant E-PN Ihr Norddach
Wir betrachten beide Dachseiten gemeinsam: Ausrichtung, Neigung, Verschattung und nutzbare Fläche. Daraus entwickeln wir eine passende Belegung und prüfen, wie Wechselrichter, Speicher und Verbraucher zusammenpassen.
Ein Speicher kann Solarstrom in andere Tagesstunden verschieben. Er ersetzt jedoch keinen saisonalen Ausgleich: Auch eine größere Anlage liefert im Winter weniger Strom. Deshalb planen wir den Speicher nach Ihrem Bedarf und nicht allein nach der Größe der Dachfläche.
Unser Fazit: Ein Norddach ist kein pauschales Ausschlusskriterium. Gerade flache Nordflächen sollten in die Planung einbezogen werden. Lassen Sie uns prüfen, wie viel mehr Ihr Dach für Sie leisten kann.
Berechnungsgrundlage und nachprüfbare Quellen
Eigene Auswertung mit PVGIS 5.3, abgerufen am 7. Oktober 2026: Regensburg, 49,0134° N / 12,1016° E; PVGIS-SARAH3, Zeitraum 2005–2023; jeweils 1 kWp kristallines Silizium, hinterlüftete Montage (PVGIS: free-standing), 14 % Systemverluste, Geländehorizont berücksichtigt. Nahverschattung durch Bäume, Gauben oder Nachbarhäuser wurde nicht individuell modelliert.
¹ Süd: Azimut 0° in PVGIS. Nord wurde mit 180° angefragt; PVGIS weist im Ergebnis −179° aus, also eine nahezu genaue Nordausrichtung. Neigungen: 15°, 30° und 45°. Jahreswerte sind auf ganze kWh, Anteile auf ganze Prozent gerundet. Tatsächliche Erträge schwanken mit Standort, Wetter und Anlage. Die Beispielhochrechnung berücksichtigt keine zusätzliche Begrenzung durch einen gemeinsam genutzten Wechselrichter.
PVGIS: Solarertrag mit dem offiziellen EU-Werkzeug prüfen
JRC: Datengrundlage von PVGIS 5.3




